Text zur Ausstellung „Was ist Raum?“ Dorothea Nold: Transformationen

Die gezeigten bildhauerischen Arbeiten situieren sich in einem Raumbegriff, der mehr prozesshaft und transformativ zu verstehen ist denn nur auf eine materielle, physische und soziale Wirkkraft verweisen soll, als vielmehr auf die ineinandergreifende Verwebung dieser vielen Denkstrukturen und Deutungsmuster.
Mittels einer Keramikskulptur und einer 2-Kanal-Diaprojektion werden Möglichkeiten des Baulichen dargestellt. Dabei geht es nicht um eine reine Abbildung von Architektur, sondern um eine Mischung aus imaginierten, architekturesken Objekten und die räumliche Erfahrung mit diesen. Zustände von Fragilität und Stabilität, Graviation und Transformationsprozessen werden somit konkret erfahrbar. Die 2-Kanal-Diaprojektion setzt sich mit der Transformation von Materialität in einen unbestimmten Raum auseinander. Dafür ist wesentlich, ab welchem Moment Materialität aufhört und Immaterialität beginnt, als eine vorweggegriffene differenzierung für die Konstitution eines bestimmten Raumbildes.
Die Diaprojektionen und die Keramikarbeit hinterfragen durch ihre Gegenüberstellung, was der Zustand von Raum und Imagination überhaupt ist: Wie funktioniert ästhetisches Empfinden und visuelles (Wieder)Erkennen? Wie können die permanent ablaufenden, räumlichen Transformationen wie Atmosphäre, Migration, Affekt sowie der soziale und virtuelle Raum besprochen werden, wenn die uns umgebenden (Konstruktions-)Materialien primär Festigkeit innehaben? Braucht es mehr Leerstellen und Licht denn Materialität und Oberfläche?
Im Gegenzug hinterfragt das keramische Objekt, das sich schemen- und schattenhaft in der Diaprojektion wiederfinden kann, wie Raum strukturelle Bezüge herstellen vermag. Die Stabilität und Zerbrechlichkeit verweist auf die uns alle umfassende Schwerkraft, die, immer da, oft nicht sichtbar gemacht wird. Diese Grundkonstante der Raumerfahrung ist eine fundamentale Kraft die alle Lebewesen erfahren, eine Gesetzmäßigkeit, die unsere Wahrnehmung bestimmt. Der Barock liebte ja mit ihr zu spielen, zu täuschen und illusionieren. Die Arbeiten stellen der Schwerkraft etwas entgegen, durch das skulpturale Schaffen manifestiert sie sich in aller Deutlichkeit und kann in zeitgenössische Fragestellungen des Verhältnisses von Körper, Raum und Zeit zurückgebracht werden.
Im Kontext der gezeigten bildhauerischen Arbeiten steht das strukturalistische Interesse an Architektur und eine phänomenologische Perspektive auf die gebaute Umwelt und die Fragen, wie uns Formen und Strukturen prägen, durch die die gebaute Umwelt reproduziert, transformiert und tradiert wird und somit Affekte des Wiedererkennens – des Vertrauten, Bekannten, entstehen. Das sind einerseits politische Fragen, denn wie und wo wir uns verorten wird ja auch entscheidend durch die uns umgebende Architektur bestimmt und verhandelt sich anhand von formalen Fragen der Ästhetik. Welche Formen reproduziere ich? Wer fühlt sich wo wie repräsentiert? Welche Räume und Strukturen wirken wie auf unseren Habitus, wie ist unsere Wahrnehmung konditioniert? Wer baut für wen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dorothea Nold, Berlin

Auch zu dieser Ausstellung: Manuel Schroeder , Christina Bunk, Hans-Peter Hepp