Hubert Burghardt – Sex in der Krise

Juni '11
18
20:00

Ein gesellschaftspolitischer Rundumschlag

Im Kapitalismus galt die Devise, „Glück an der Börse? Geld für die Liebe!“ Das Dilemma: Banken- und Finanzcrash haben gezeigt, Wirtschaftskrisen ziehen stets Einbrüche an Stellen nach sich, wo man sie zunächst nicht vermutet. Gibt es also einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsmacht und Libido? Folgt einem potenten Börsen-Hype gesetzmäßig die Baisse im Bett? Macht Geld geil? Wer allerdings harmloses Geschlechterkabarett oder platte Frivolitäten für ein rasches Vergnügen erwartet, ist hier fehl am Platz. „Sex in der Krise!“ heißt der Titel des 5. Kabarettsolo von Hubert Burghardt. Der Dortmunder Kabarettist meint dabei nicht die „Lustlosigkeit“, von der immer mehr Menschen in unserer reizüberfluteten und überalternden Gesellschaft betroffen sind. Mit „Sex“ und „Krise“ sind Einbrüche auf speziellen Märkten gemeint, die reizlos verdorren. Stattdessen wachsen Unsicherheit und Ungewissheit.

Hubert Burghardt

“Sex in der Krise!“ liefert einen intelligenten gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Rundumschlag, ohne „erogene Schlüpfrigkeiten“ oder „praktische Tipps zur Auffrischung einer nachlassenden Libido“. Gleichwohl gibt es „nackte Tatsachen“, „entblößende Statistiken“ und „extraordinäre Perspektiven“. Sogar vor der „vulgären Zurschaustellung“ wenig bekannter Zusammenhänge schreckt Hubert Burghardt nicht zurück. Ob es um das globale „Klimakterium“ geht, oder „Wechseljahre“, die über den Anbieterwechsel bei Strom und Gas hinausgehen, Burghardt moderiert, räsoniert, skizziert, agitiert und pointiert, ohne dass Komik und Unterhaltung zu kurz kommen. Dabei springt Hubert Burghardt in mal mehr, mal weniger vertraute Figuren, oder auch ans Klavier und singt schöne Lieder über unschöne Dinge. „Sex in der Krise!“ ist ein krisenfestes Kabarettprogramm, das durch Mitdenken richtig sexy wird.

Bilder von Hubert Burghardts Auftritt auf der Werkbühne im November 2008 (Alle Bilder © Peter Neumann)