Seitenwechsel

Okt '11 Nov '11
02 13
Okt '11
20
19:00
Nov '11
13
11:00
Plakat zur Ausstellung

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10:00 – 12:00 und 15:00 bis 18:00 Uhr; Sonntag 11:00 bis 16:00 Uhr
Vortrag: Donnerstag, 20. Oktober 2011, 19:00 Uhr
Sonntagsmatinee: 13. November 2011, 11:00 Uhr

Das Werkhaus zeigt im Südbahnhof in Zusammenarbeit mit dem Kunstarchiv Beeskow und dem Kurator Herbert Schirmer, Kunst + Kommunikation Lieberose, die Ausstellung

Seitenwechsel

Mit der Ausstellung „SEITENWECHSEL – Bildende Künstler zwischen 1945 und 1965“ realisiert das Kunstarchiv Beeskow die zweite Ausstellung im Südbahnhof Krefeld. Dokumentiert werden auf 50 Informationstafeln Aussagen zu Notwendigkeit und Art des Weggangs der Künstler von Ost nach West und umgekehrt. Als häufige Ursachen für den Weggang sind politische Repressalien, gesellschaftliche Ausgrenzung oder fehlende Anerkennung, künstlerische Defizite sowie private Entscheidungen zu nennen. Die Dokumentation wird ergänzt durch originale Kunstwerke aus jener Zeit. Diese kommen aus dem Bestand des Beeskower Kunstarchivs, der Artothek der Sozialen Künstlerförderung Berlin, aus Museen sowie von privaten Leihgebern.

Die anfänglichen Hoffnungen nach einer gerechten Gesellschaft und humanen Werten auf beiden Seiten wird durch die von den Besatzungsmächten unterschiedlich dominierte Kulturpolitik schon bald in Richtungen gedrängt, die unterschiedlicher nicht sein können. Während Kunst und Künstler in der Bundesrepublik ihre Entwicklung größtenteils in Freiheit selbst bestimmen, geraten Künstler im Osten zunehmend in die staatliche Erziehungsmaschinerie und werden häufig zu ideologischen Erfüllungsgehilfen. Die Ausrichtung erfolgt – unter tatkräftiger Mitwirkung der sowjetischen Besatzungsmacht – am sozialistischen Realismus, mit dessen dogmatischer Handhabung das Maß der Abgrenzung bestimmt wird. Vor diesem Hintergrund zeigt sich gerade in den 1950er Jahren, welche Auswirkungen der Kalte Krieg auf Kunst und Künstler in beiden Teilstaaten hat, wie sich die Fronten allmählich verhärten und die ideologische Auseinandersetzung bis in die ästhetischen Bereiche reicht und existenzielle Dimensionen annimmt.

Der Versuch der Künstler im Osten, nach 1945 an den Kunstströmungen von vor 1933 anzuknüpfen, misslingt unter dem sowjetischen Diktat des Sozialistischen Realismus und der verhinderten Anknüpfung an der bereits von den Nationalsozialisten diffamierten Moderne durch die Kulturfunktionäre der SED.

Die Situation an den Kunsthochschulen spitzt sich nach 1949 ideologisch zu, was Georg Baselitz, Gotthard Graubner, Gerhard Richter, Eugen Schönebeck oder Günther Uecker, um nur einige zu nennen, zwingt, die DDR zu verlassen, um an den Kunstakademien in Berlin (West) und Düsseldorf ihr Studium fortzusetzen. Andere wie Hermann Bachmann oder Herbert Kitzel aus Halle (Saale) werden an Kunsthochschulen in der Bundesrepublik berufen. Wegen seiner realistischen Auffassung folgt Fritz Dähn aus Stuttgart dem Ruf an die Akademie nach Weimar, später nach Dresden und Berlin. Mac Zimmermann oder Heinz Trökes kehren nach nur zwei Semestern an der Weimarer Hochschule nach Berlin (West) zurück. Künstler wie Gustav Seitz, Heinrich Ehmsen oder Oskar Nerlinger werden wegen ihres kunstpolitischen Engagements in der sowjetischen Besatzungszone aus ihren Lehrämtern in Berlin (West) entlassen und fi nden in Berlin (Ost) Aufnahme. In den 1960er Jahren fliehen Künstler wie Rainer Kriester, Sieghard Pohl oder Lothar Fischer nach Inhaftierung in der DDR über die Grenze nach Berlin (West).

Mit dem Bau der Mauer und der Verfassungsänderung in der DDR wird die Abgrenzung zwischen Ost und West zementiert. Der Wechsel in den anderen Teil Deutschlands ist seitdem rückläufig.

Text: Herbert Schirmer

Vortrag

Donnerstag, 20. Oktober 2011, 19.00 Uhr
Zu Französisch – zu fremdartig
Max Lingners, übersiedelte 1949 von Frankreich in die DDR. Anhand der Entstehungsgeschichte des Wandbildes 1952/53 am Haus der Ministerien wird die kultur- und gesellschaftspolitische Situation der DDR dargestellt und es wird verdeutlicht, wie problematisch „Seitenwechsel“ oft waren.

Dr. Barbara Barsch, Kunsthistorikerin, Leiterin der ifa-Galerie Berlin
Vortrag in Kooperation mit der Volkshochschule

Sonntagsmatinee

Sonntag, 13. November 2011, 11:00 Uhr
Finissage und Gesprächsrunde
mit beteiligten Ausstellern: Lothar Fischer und Jean Paul Hogère, Berlin, Günther Uecker, Düsseldorf;
Moderation Herbert Schirmer, Kurator, freier Kunstwissenschaftler, Journalist

Kooperationspartner
Brandenburg: Kunstarchiv Beeskow, Archivmaterial und Originale Herbert Schirmer, Konzeptentwicklung, Kurator
Berlin: Artothek der sozialen Künstlerförderung
NRW: WbW Erwachsenbildungswerk Werkhaus e.V. Krefeld – Idee und Organisation; Südbahnhof – Ausstellungsort; VHS Krefeld, begleitende Vorträge

Gefördert durch: Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld; Sparkasse Oder/Spree
Unterstützt durch: Kulturbüro Krefeld

Weitere Anmerkungen
Herbert Schirmer, 1989 Mitbegründer und Sprecher des Neuen Forum in Beeskow, von November 1989 bis März 1990 Vorsitzender des CDU-Bezirkverbandes Frankfurt (Oder) und bis August 1990 Vorsitzender des CDU-Landesverbandes Brandenburg. Von März bis Oktober 1990 war Schirmer Abgeordneter der Volkskammer und Minister für Kultur.
Von 1991 bis 1998 war er Direktor des Museums in der Wasserburg Beeskow, Begründer des „Dokumentationszentrum Kunst in der DDR“, Kurator und Journallist in Lieberose, Zusammenarbeit mit dem Werkhaus Krefeld 2010 mit der Ausstellung Schichtwechsel.

Faltblatt-Seitenwechsel