Schweres Erbe – Vom Umgang mit NS-Familiengeschichte Moderierte Diskussion in der Ausstellung „Geheimnisse“

Feb
18
12:00

In der Überlieferung im privaten Rahmen der Familie wird die Beteiligung an der NS-Geschichte oft auch heute noch als unbelastet wahrgenommen.
Doch in beinahe jeder Familie gibt es Angehörige, die an dem Ausschluss eines Teils der Gesellschaft beteiligt waren, ihrer Verfolgung zugeschaut haben, davon profitierten, zustimmten oder gleichgültig blieben.

Es geht nicht nur um die bange Frage, was von (Ur)großvätern anderen angetan wurde, sondern um Entstehungsbedingungen und Mechanismen der ausgeübten Gewalt, zum Beispiel als Angestellte bei staatlichen Institutionen, städtischen Behörden und Verwaltungen sowie in privatwirtschaftlichen Betrieben. Auch profitieren Familien bis heute von der Übernahme jüdischen Eigentums. Und oft stellen Nachkommen von Tätern, Mitläufern und Zuschauern keine Verbindung zwischen Familiengeschichte und der Gewaltgeschichte des Nationalsozialismus her.

Der Ur-Urenkel-Generation fehlt Hintergrundinformation zur Gesellschaft der NS-Zeit. Welches Abzeichen der Uropa am Revers trägt, ist nicht mehr zu deuten. Dass der Betrieb, in dem er Karriere machte, auf jüdische Geschäftsbeziehungen gründet, ist in Vergessenheit geraten, dass der Einsatz der Ur-Uroma als Krankenschwester NS-ideologisch begründet war, wird nicht mehr erkannt. Die Zusammenhänge zur Frage nach der Beteiligung/Täterschaft werden nicht mehr hergestellt.

Dr. Ingrid Schupetta und Claudia Flümann werden wichtige Information und Impulse in die Diskussion geben. Harry von Bargen wird die Gesprächsrunde moderieren. Claudia Flümann ist Autorin des Buch “… doch nicht bei uns in Krefeld!” Arisierung, Enteignung, Wiedergutmachung in der Samt- und Seidenstadt 1933 bis 1963. Dr. Ingrid Schupetta ist Geschäftsführerin des Fördervereins Villa Merländer, Mitglied des Arbeitskreises der Gedenkstätten in NRW. Sie war Leiterin der NS-Dokumentationsstelle in der Villa Merländer, die sie maßgeblich prägte.